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Schneckenwirtschaft kennen wir schon aus der Römerzeit. Die auf die schmackhaften Tiere versessenen Römer ließen die Schnecken zum Beispiel in Ligurien sammeln und in Schneckengärten mästen, bis sie zum Verzehr zubereitet werden konnten. Durch die Ausbreitung des römischen Imperiums gelangten Schnecken, wie Schneckenrezepte bis in die entlegensten Regionen Europas, Nordafrikas und Kleinasiens. Weinbergschneckenschalen finden sich immer wieder in Ausgrabungstätten antiker Küchenabfälle, was die Beliebtheit von Schnecken als Nahrungsmittel in römischer Zeit dokumentiert.

Der Konsum von Schnecken durch den Menschen hat aber ziemlich sicher eine viel längere Geschichte. So geht man davon aus, dass eine Art der Weinbergschnecke schon zur Zeit der Kelten verspeist worden ist. Griechen, Phönizier und andere vorrömische Kulturen im mediterranen Raum haben sicher schon viel früher Schnecken als Nahrung genutzt. Verschiedene landlebende Schneckenarten und allgemein Meeresfrüchte sind bis heute fester Bestandteil der mediterranen Küche.

Im Mittelalter galten Schnecken, da sie weder Fisch noch Fleisch sind, als beliebte Fastenspeise. In den meisten Klöstern jener Zeit gab es einen Schneckengarten und die Mönche liessen sich die Schnecken gut schmecken, wahlweise mit einem ebenso guten Bier dazu. Mönche waren in jener Zeit allerdings nicht die Einzigen, die gerne Schnecken aßen. Schnecken waren durchaus auch ein Arme-Leute-Essen. Denn Schnecken konnte man in der Natur sammeln und sie waren und sind erst noch äusserst nahrhaft.

Neben dem Eigenverbrauch blieb auch der Handel nicht aus und mit dem Handel kam auch die Zucht. Reichte es für den Eigenkonsum noch völlig aus, die Schnecken zu sammeln, im Schneckengarten zu halten und zu mästen und dann zu essen, mussten für den Handel die besten, größten und wohlschmeckendsten Schnecken gezüchtet werden. Aus jener Zeit stammt beispielsweise auch die Idee, Schnecken mit unterschiedlichen Kräutern zu füttern, um ihnen einen besonders feinen Geschmack zu verleihen.

Auch in der Medizin fand die Weinbergschnecke zu damaliger Zeit Verwendung. Aus Schnecken konnten Hausmittel gegen Husten gewonnen werden und selbst ein probates Mittel gegen die Schwindsucht war bekannt.

Der Erfolg der nordeuropäischen Schneckenzüchter spricht Bände: Auf dem Wasserweg wurden die Schnecken in Fässern, auf besonderen Frachtkähnen, zum Beispiel bis nach Wien verfrachtet und dort auf den Märkten verkauft. Noch im 18. Jahrhundert herrschte in Wien ein reger Schneckenhandel. Später wanderte das Hauptziel des Schneckenhandels nach Paris, wo noch 1908 allein das Dorf Guttenstein 4 Millionen Schnecken in einem Jahr verkaufte.

Während noch auf Napoleons Feldzügen Deckelschnecken als natürliche Konserven die Soldaten begleiteten, beendete zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Aufkommen der heute gebräuchlichen Konserven die Hochzeit des nordeuropäischen Schneckenhandels. Heute werden Schnecken vielfach aus Osteuropa oder sogar aus Asien und Afrika importiert.

Heute gelten Schnecken als eine Delikatesse für die hohe Küche. Bäuerliche Rezepte aus jener Zeit sind heute nicht mehr geläufig. Dabei wurden Schnecken neben ihrem guten Geschmack vor allem wegen ihrer anregenden Wirkung auf die männliche Leistungsfähigkeit bevorzugt.

Jedoch hat der Schneckenhandel auch heute noch Zukunft. Denn in Frankreich hat die Schnecke ihren Status als Speise für alle Leute nie verloren und auch im deutschen Sprachraum gewinnt sie wieder an Bedeutung. Vor allem bäuerliche Restaurants, aber auch manch ein Starkoch, besinnen sich wieder auf die historischen Gerichte oder entwickeln neue Kreationen, wie zum Beispiel "Schnecken und Shrimps mariniert auf gebackenen Tomaten und Rucola".


Fossile altertümliche Schnecke




Bronzefiguer eines Schneckenhändlers
- Bild: Weichtiere.at -




Nachbau eines historischen
Schneckengartens in Deutschland
- Bild: Weichtiere.at -


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