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Ein anderes seltenes Phänomen ist besonders bei Weinbergschnecken sehr gut dokumentiert. Unter mehreren tausend arttypisch rechts gewundenen Exemplaren findet sich dort manchmal ein einzelnes links gewundenes Exemplar. Solche überaus seltenen links gewundenen Exemplare bezeichnet man im Volksmund als Schneckenkönig.

Die Windungsrichtung von Schneckenschalen ist natürlich genetisch festgelegt. Aufgrund der großen Seltenheit links gewundener Weinbergschnecken könnte man natürlich davon ausgehen, dass es sich um einen herkömmlichen dominant-rezessiven Erbgang handelt. Dennoch kann nach der Paarung zweier rechts gewundener Weinbergschnecken vorkommen, dass der Nachwuchs einer der beiden Schnecken ausschließlich links gewunden ist. Dieser Sachverhalt ist mit einem dominant-rezessiven Erbgang nicht zu erklären.

Dank der Entdeckung des amerikanischen Genetikers Alfred Henry Sturtevant, wissen wir heute, dass die Windungsrichtung bei Schnecken tatsächlich dominant-rezessiv vererbt wird. In welcher Richtung sich die Schale einer Schnecke schließlich windet, hängt aber davon ab, wie die Zellteilungsspindel in der befruchteten Eizelle angeordnet ist. Die genetischen Grundlagen der Entstehung und Anordnung der Zellteilungsspindel werden aber vom Genom des Muttertiers (im Falle der zwittrigen Weinbergschnecken also die Schnecke, von der die Eizelle stammt) festgelegt.

Von Bedeutung für die Vererbung der Windungsrichtung bei Schnecken ist also das Genom des Muttertiers. So erklärt sich auch, wie eine rechts gewundene Schnecke links gewundene Nachkommen haben kann: Während sie äußerlich rechts gewunden ist, muss sie dennoch reinerbiger Träger des Merkmals "links gewunden" sein, was zu links gewundenen Nachkommen führt.
Lebende Schneckenkönige sind jedoch aufgrund ihrer großen Seltenheit (eins zu mehreren Tausend) in freier Natur praktisch nie anzutreffen.

Mit der umgekehrten Windung der Schale geht eine spiegelverkehrte Anordnung der inneren Organe der Schnecke einher, ein Phänomen, das man mit dem beim Menschen diagnostizierten Kartagener-Syndrom vergleichen kann.


Schneckenkoenig (rechts) bei der Paarung




Schneckenkoenig während der Winterruhe


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