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Im Frühjahr, wenn die Weinbergschnecken seit einigen Wochen aus der Winterruhe erwacht sind, beginnt ihre Paarungszeit. Weinbergschnecken sind Zwitter, besitzen sie sowohl männliche, als auch weibliche Organe in einem gemeinsamen Genitalapparat. Zwitterschnecken, wie alle Landlungenschnecken (Stylommatophora), haben allein deswegen die doppelten Fortpflanzungschancen. Außerdem kann die Begattung wechselseitig stattfinden.

Anlockung und Liebesspiel

Ob zwei paarungsbereite Weinbergschnecken zusammentreffen, bleibt nicht völlig dem Zufall überlassen: Wie viele andere Landschnecken besitzen auch sie eine Lockstoffdrüse am Kopf, mit der sie andere paarungsbereite Schnecken anlocken können.

Beide Schnecken beginnen, sich mit aneinander gelegten Fußsohlen aufzurichten und sich gegenseitig mit Lippen und Fühlern zu betasten. Als Vorspiel zur eigentlichen Paarung kann etwa dieses Liebesspiel mit zunehmender sexueller Erregung der Schnecken allein bis zu 20 Stunden andauern.

Einsatz des Liebespfeils

Im Verlauf des Liebesspiels kann es zum Einsatz eines kleinen Kalkpfeils kommen. Der Liebespfeil der Weinbergschnecke wird etwa 7 - 11 mm lang. Um den Pfeil einzusetzen, stülpt die Weinbergschnecken das gesamte Organ mit Druck nach außen, so dass der Pfeil dem Partner in den Fuß gestochen wird, wo er meistens stecken bleibt. Doch nicht bei jeder Paarung kommt er zum Einsatz.

Mit dem Liebespfeil wird dem Partner ein Sekret injiziert, das Hormone enthält, die im weiteren Verlauf der Paarung bestimmte Organe im Genitalapparat der Schnecke beeinflussen und so die Chancen der Schnecke, die den Liebespfeil eingesetzt hat, auf Vererbung ihrer Gene verbessert.

Begattung (Kopulation)

Nach dem langen und ausgiebigen Paarungsvorspiel kommt es zu einigen Begattungsversuchen. Nachdem es den beiden Schnecken aber schließlich gelungen ist, eine geeignete Position zu finden, kommt es endlich doch zur eigentlichen Begattung, während der die beiden Schnecken ihre lang ausgestreckten Penes miteinander verschlingen und schließlich in die Vagina des Partners einführen. Währenddessen kommt es im Körper der beiden Schnecken zur Bildung eines Samenpaketes, einer so genannten Spermatophore, die anschließend mit Samenzellen angefüllt wird. Die Spermatophore wird anschliessend im Genitalapparat des Partners platziert.

Ein Teil der fremden Spermien wird in einer besonderen Samentasche gespeichert, so dass die Befruchtung durch Samenzellen unterschiedlicher Partner stattfinden kann.

Die Eiablage

Um etwa 4 bis 6 Wochen nach der Paarung einen passenden Ort für die Ablage ihrer Eier zu finden, führen Weinbergschnecken teilweise längere Wanderungen durch. Zur Anlage des Verstecks für ihr Gelege benötigt die Weinbergschnecke mindestens 3 - 5 cm lockeren Boden, in dem sie eine Höhle graben kann.

Erst nachdem es ihr gelungen ist, die Anlage eines passenden Versteckes zu vollenden, beginnt die Schnecke während einer mehrstündigen Pause mit der Befruchtung ihrer Eizellen und der anschließenden Bereitstellung der Eier.

Die Weinbergschnecke legt in Zeitabständen von 15 bis 30 Minuten ein durchschnittlich etwa 6 mm großes Ei (Gewicht etwa 0,1 - 0,2 g) nach dem anderen. Ein Gelege einer Weinbergschnecke kann, örtlich und mit dem Alter der Schnecke variierend, 40 bis 60 Eier umfassen, deren Ablage zwischen 20 und 30 Stunden dauern kann!

Anschließend zieht die Schnecke ihren Vorderkörper aus der Legehöhle zurück und kriecht über deren Öffnung hinweg, um sie mit Erdkrumen zu verschließen.

Entwicklung der Jungtiere

Schnecken, wie alle anderen Weichtiere, entwickeln sich allgemein über Larven. Aus der befruchteten Eizelle entsteht durch fortgesetzte Zellteilungen ein Embryo, der sich zur Larve weiter entwickelt.

Auch die Weinbergschnecke entwickelt sich über ein solches Larvenstadium aus dem Embryo. Die Schneckenlarve ähnelt dem erwachsenen Tier nur wenig Die gesamte embryonale und larvale Entwicklung der Weinbergschnecke findet im Inneren des Eis statt. Sie wird von einer Metamorphose abgeschlossen, während der die Schneckenlarve ihre Gestalt verändert und sich zur Jungschnecke entwickelt.

Die Jungschnecke schlüpft nach einem Zeitraum von etwa 25 Tagen aus dem Ei der Weinbergschnecke. Nur die Organe des Genitalapparats sind noch nicht ausgewachsen. Die Zwitterdrüse muss noch reifen, bis sie mit dem Erreichen der Geschlechtsreife, etwa im dritten Lebensjahr der Schnecke, in der Lage ist, fortpflanzungsfähige Geschlechtszellen zu bilden.

Die ersten 8 - 10 Tage nach dem Schlüpfen verbringen die Jungschnecken noch in der Bruthöhle. In dieser Zeit fressen sie die Überreste ihres Eis. Aus ihrer Erdhöhle müssen sich die jungen Weinbergschnecken aus eigener Kraft befreien: Sie fressen sich durch die Erddecke, die den Eingang verschließt und erreichen so die Oberfläche.

In den Monaten bis zum ersten Winter können sie, je nach Versorgungslage, eine Größe von bis zu 10 mm erreichen. Geschlechtsreif werden Weinbergschnecken im Allgemeinen erst nach ihrer zweiten Überwinterung. Bis dahin haben sie eine Schalengröße von fast 40 mm erreicht.

Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg: Nur etwa 5% der Jungschnecken eines Jahrgangs erreichen in der freien Natur das geschlechtsreife Alter.


Weinbergschnecken beim Liebesspiel




Liebespfeil der Weinbergschnecke




Übertragung der Spermatophore
- Bild: Weichtiere.at -




Legehöhle einer Weinbergschnecke




Frisch geschlüpfte Weinbergschnecke
- Bild: Weichtiere.at -




Jungtiere der Weinbergschnecke
- Bild: Weichtiere.at -



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